Biodiversität im Olympiapark - ein ikonisches Gesamtkunstwerk für Mensch und Natur
- 7. Mai 2025
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Aktualisiert: 7. Juni
Der Olympiapark als demokratisches Grün, diesen Begriff prägte Günther Grzimek, der als Landschaftsarchitekt die gesamte Grünplanung des Olympiaparks verantwortete. Doch der Visonär Grzimek hat auch ein Thema auf seiner Agenda, das Ende der 60er Jahre noch kaum in der öffentlichen Wahrnehmung präsent war. Er wollte die gleichberechtigte Zugänglichkeit und Lebensmöglichkeit im Park für alle, den Mensch und die Natur in ihrer ganzen Vielfalt. Ein Park mit 290 Hektar, so meinte er, müsste dies ermöglichen.
Im Einklang mit der Natur
Eine zentrale Aussage findet sich bei Günther Grzimek in „Spiel und Sport in der Stadtlandschaft" 1972: „Versucht wird die Synthese zweier Systeme, eines biotisch naturhaften und eines artifiziellen. Anders ausgedrückt, der Olympische Park auf dem Oberwiesenfeld soll auf zweifache Weise lebendig und lebensfähig sein: Einmal im Einklang mit den Wachstumskräften der Natur. Die Grünelemente sind zu einer biotischen Gemeinschaft gefügt […]. Zum anderen 'lebt' diese artifizielle Landschaft aus dem Gebrauch, den die Menschen von ihr machen."
Ein Park wie der Olympiapark muss beides ermöglichen: Räume für das Leben der Menschen – und Räume für die Vielfalt der Natur. Nur so bleibt er lebendig, im Sinne seiner Gestaltung und als Welterbe von morgen.
Rasen und Wiese - zwei Formen von Grün
Etwa in dem Zeitraum, in dem der Olympiapark entsand, mussten im Englischen Garten die letzten Wiesen und damit eine wichtige Grundlage von Biodiversität zugunsten von Rasen und mehr Freizeitmöglichkeiten weichen. Bei der Anlage des Olympiaparks zielte Grzimek auf ein Nebeneinander von Mensch und Natur. Er versorgte die Besucher des Olympiaparks an den flacheren Stellen des Parks mit Rasen für deren Bedürfnisse hinsichtlich Freizeitgestaltung. An den vielen steilen Hängen - kaum begehbar für Menschen - verortete er Räume für die Entfaltung der Diversität der Natur. Durch diese Zweiteilung schuf er gleichzeitig einen Erholungsraum für die Menschen sowie einen Lebensraum für eine vielfältige Natur und nutzte diese Trennung gleichzeitig als landschaftsgestalterisches Mittel. .

Mannigfaltigkeit, Vielfalt (heute Biodiversität)
In den 1970er Jahren zählten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hunderte von Tieren und Pflanzen, Kräutern, Vögeln und Gehölzen, die den Park als ein biotisches Gesamtkunstwerk belegten und den Park mit dem Siegel von Biotopqualität versahen.
Günther Grzimek bewertete die Untersuchungen zur Biodiversität als Beleg seines gewünschten biotischen Olympiaparks. In seiner Publikation "Die Besitzergreifung des Rasens" von 1983 bestimmt er die Räume von Wiese und Rasen als Grundlage für das mögliche Zusammenleben von Mensch und Natur im Park.
Was ist im Rahmen des Welterbes zu tun, damit Vielfalt der Natur den von Gzimek angedachten Raum be- bzw. erhält?
Man muss "nur" dem Weg von Günther Grzimek wieder folgen: Biodiverser Magerrasen an den steilen Hängen des Parkes einschließlich passender Mähprogramm, kontinuierliche Bestandsaufnahmen (Monitoring) und Evaluierung von Pflanzen und Tieren und Interventionsgebote bei groben Fehlentwicklungen (hier z.B. die Beseitigung des sich ausbreitenden japanischen Knöterichs, der jede Biodiversität verhindert). Eine wissenschaftliche Begleitung und Beratung durch Universitäten und geschulte Gärtnereien. Dazu notwendige Bürgerbeteiligung und Partizipation: vor wenigen Jahren stimmten in Bayern im Rahmen eines Bürgerbegehrens 1,7 Millionen Menschen vor allem in den Städten für "Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern - rettet die Bienen". Oft wurde das als Handlungsmaxime für die Landwirtschaft verstanden: Günther Grzimek und der Olympiapark stehen am Anfang eines solchen Bürgerbegehrens - deshalb auch ist Grzimek eine Ikone dieser Bewegung - auch und gerade in dicht besiedelten Räumen.
Funktion folgt Form/Form folgt Funktion
Die Platzzuweisung von Mensch und Natur gestaltet Grzimek durch begehbaren Rasen und steile nicht begehbare Hänge: "Das indifferente Plädoyer für die Wiese übersieht, daß die Umwelt des Menschen nach Funktionen differenziert werden muß".
München wurde am 27.02. 2025 Mitglied im Bündnis für biologische Vielfalt...
...und erklärte mit diesem Schritt die Mitgliedschaft im größten deutschen Netzwerk für naturnahe Kommunen, die Stärkung ihre Biodiversitätsstrategie und das Voranbringen des Schutzes und die Förderung der biologischen Vielfalt im urbanen Raum der Stadt München.


